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Am 15./16. März fand in Ludwigsburg im Forum der Kongress „Fabrik des Jahres/GEO – Mit den Besten aus der Krise“ statt, veranstaltet vom Fachmagazin „Produktion“ und der Unternehmensberatung A.T. Kearney.  Auf der Veranstaltung wurden die Gewinner des Benchmark-Wettbewerbs geehrt. Die Laudatio auf die Preisträger hielt am Abend der stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn.
Von den Besten lernen: Fabrik des Jahres ausgezeichnetAuch wenn sich unter den Preisträgern keine kleineren Unternehmen befanden, ist das Ergebnis allemal ein genaues Hinschauen wert, denn die Auswertung lässt erkennen, dass es Gemeinsamkeiten gibt, die dafür verantwortlich sind, dass es den Gewinnern gelang, sich mit Spitzenleistungen der Krise zu widersetzen bzw. einigermaßen erfolgreich daraus hervorzugehen. Davon kann jedes Unternehmen lernen.

Vor die Haustür schauen

Dr. Günter Jordan, Vizepräsident der A.T. Kearney GmbH der seit dem Start des Wettbewerbs Hunderte von Fabriken auditiert hat, hatte die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewonnen, als er sagte, eine Rückkehr zur Normalität von vor der Krise sei nicht zu erwarten. Er zeigte anschaulich auf, dass die falsche Entwicklung, die letztlich zur Krise führte, schon 1980 begonnen hatte, denn bereits damals begann man, über die eigenen Verhältnisse zu leben und Schulden anzuhäufen. Produzierende Unternehmen müssten sich auf eine neue Normalität einstellen, so Jordan. Es kämen neue Spieler hinzu, die Märkte würden durch extreme Volatilität beeinflusst und nachhaltiges Wirtschaften gewinne an Wert. Gegenüber den neuen Wettbewerben zum Beispiel aus Asien würde die Haltung „die sind billiger, aber wir sind besser“, nicht mehr funktionieren, denn dem sei nicht mehr so. Das zeige sich am Beispiel Handys, wo inzwischen ein chinesischer Hersteller auf Platz 2 liege.

Für die deutschen Unternehmen liegen nach Ansicht Jordans große Chancen direkt vor der Haustür: „Unsere Kundenzentrierung ist noch immer mangelhaft. Wir haben viele Kunden direkt vor unserer Haustür. Ihren Bedürfnissen müssen wir uns anpassen. Wer könnte das besser als die Unternehmen, die vor Ort sind und den Kunden genau kennen. Ein Unternehmen, das in China oder Polen sitzt, hat diesen Vorteil nicht. Wir müssen ihn nutzen. Deutsche Unternehmen können genau das anbieten, was der Kunde braucht: Ganze Baugruppen statt Einzelteilen, fertig montiert, bessere Verpackungen, eine ausgereifte Logistik, Lieferung direkt ans Band etc.“ Auch bei der Nachhaltigkeit könnten deutsche Unternehmen punkten ebenso wenn es um Fachkräfte gehe. „Die Art wie wir produzieren wird bei der neuen Normalität eine entscheidende Rolle spielen,“, so Jordan. „Im Wettbewerb zeichneten sich die besten Fabriken dadurch aus, dass sie mit operativer Exzellenz brillierten, mit einer hohen Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit, extremer Kundenzentrierung und Einsparungen in wichtigen Bereichen. Sie bauten Bestände ab, schufen flexible Arbeitsplätze und wirtschafteten mit den Ressourcen schonend.“

Es zahle sich aus, dass es in Deutschland einen hohen Anteil verarbeitendes Gewerbe gebe, sagte Jordan. „Das ist ein eindeutiger Pluspunkt, um den uns viele andere Länder beneiden. Wir müssen uns lediglich weiterentwickeln, dann können wir diesen Vorsprung halten. Wir müssen neue Märkte erschließen und vor Ort gehen.  Das nützt auch den Unternehmen im Inland.“

Schlanke Fabrik aus Crailsheim

Der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs kommt zwar scheinbar aus der Provinz, jedoch aus einem global agierenden Haus: das Procter und Gamble-Werk in Crailsheim, das sich seit 30 Jahren erfolgreich im internationalen Standort-Wettbewerb behauptet. Das Unternehmen vertreibt weltweit 300 Marken wie Charmin, Always, Duracell, Ariel, Gillette, Oral-B etc. 23 dieser Marken erzielen jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr, 20 kommen immerhin auf eine halbe Milliarde. Täglich kommen Verbraucher vier Milliarden Mal mit diesen Marken in Berührung.

Werkleiter Ingo Schimmelpfennig stellte den Zuhörern das Crailsheimer Konzept für Erfolg vor. In Crailsheim werden von ca. 1.000 Mitarbeitern Always, Alldays und Swiffer produziert und aus dem Distributionszentrum in über 50 Länder versandt. Mit dem Motto „Crailsheim, einen Schritt voraus...“ zeigt der Standort Flagge. Zentraler Punkt des Unternehmenserfolgs ist nach Auffassung des Führungsteams um den Werkleiter, das Management. „Man sollte nie den Einfluss unterschätzen, den ein Vorgesetzter hat“, so Schimmelpfennig. „Eine gute Führung erhöht die Motivation, die Flexiblität und schafft Vertrauen. Die Wertschöpfung passiert an der Maschine. Es gibt keinen Grund, weshalb gerade der Mitarbeiter an der Maschine, nicht wissen sollte, was in der Fabrik passiert.“ Deshalb verbringt jedes Mitglied des Führungsteams 50 Prozent seiner Zeit „on the floor“, bei den Mitarbeitern, und jeder versteht sich als ein „servant leader“, der hilft und unterstützt.

Die Ergebnisse geben Schimmelpfennig Recht: Die ungeplante Stillstände und Stops konnten entscheidend zurückgefahren werden, die Produktivität hat zugenommen, die Herstellkosten sind gesunken, die Qualität wird immer besser, das Volumen steigt. Daran tragen geordnete Übergaben und vernetzte Maschinen einen großen Anteil, aber am Wichtigsten sei, dass jeder Mitarbeiter jederzeit weiß, was geschieht und entsprechend handeln kann. „Wichtig ist, das wir geplant vorgehen und dass wir unsere Ergebnisse nicht nur an einem Tag erreichen, sondern immer.“

Fazit: Spitzenleistung braucht Werte, eine Strategie und eine gute, auf Menschen fokussierte Führung.

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geschrieben am 17.05.2010 um 11:44 Uhr.